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Der beste Bestand des Grünen Gabelzahnmooses in Augsburgs Westlichen Wäldern
Eingetragen am 06.01.2021, 15:12 von Botanik

Dicranum viride, das Grüne Gabelzahnmoos steht auf der FFH- Liste der europaweit besonders schützenswerten Moosarten. Sie ist die einzige von den sieben in Deutschland vorkommenden, für die aus dem Naturpark „Augsburg – Westliche Wälder“ aktuelle Nachweise vorliegen. Bestände des Dicranum viride (Sull. & Lesq.) Lindb. im Walkertshofer Wald (Tk25 7729/3) sah man bisher als die besten im Aufnahmeareal an.

1 km südlich von Anhausen öffnet sich gegen Osten das enge Wolfteltal (Tk25 7630/414). Ein Forstweg, begleitet von Fichtenforsten und jungen Anpflanzungen von Bergahorn und Rotbuche, führt nach Südosten hinauf zum Bergheimer Wald. Bei 530 m ü. Mh. mündet ein von Süden herabkommender Graben in das Tälchen; die Grenze zwischen Stadt- und Landkreis Augsburg kreuzt hier den Forstweg. Zu beiden Seiten des Weges, auf einer Strecke von ca. 200 m, stehen Gruppen alter Laubbäume, die dem Bryologen durch die zum Teil dicken (BHD ≥ 40cm) und leicht schräg stehenden Stämme als potentielle Trägerbäume für das Grüne Gabelzahnmoos auffallen.

Schon vom Wege aus waren für den Geübten am Stamm einer alten Rotbuche zwischen dem vorherrschenden Schlafmoos (Hypnum cupressiforme) mehrere Polster des Dicranum viride durch ihre charakteristische Grünfärbung zu erkennen. In der Nähe wurde die Art ab 0,50 m über dem Boden bis in 4 m Höhe gesehen, verteilt auf winzige Pölsterchen aus wenigen Individuen wie auch in stattlichen Polstern mit bis zu 4 cm Durchmesser. An zwei weiteren Rotbuchen derselben Baumgruppe war das Grüne Gabelzahnmoos zu finden.  

Am 17. 12 2020 wurde die Stelle nochmals besucht, um die Funde zu fotografieren. Bei der Inspektion weiterer Bäume am Wegrand wurde das Grüne Gabelzahnmoos an alten Eichen nicht gefunden, doch wuchs es noch an vier starken Weißbuchen.

Ein solch üppiges Vorkommen der FFH-Moosart wurde aus dem Raum Augsburg bisher nicht gemeldet. Es darf als der beste Bestand des Dicranum viride im Naturpark „Augsburg – Westliche Wälder“ gelten. Vergleichbare Bestände wurden vom Berichter weder in den Wäldern der Rhön, des Spessarts und des Steigerwaldes noch im schwäbischen Ammergebirge gesehen. Sie sind in Bayern wohl kaum nochmals zu finden. Da das Grüne Gabelzahnmoos in der Roten Liste der Moose Bayerns in der Kategorie 3 = gefährdet steht, wird dringend gebeten, im Bereich der neuen Funde keinerlei Moosproben von Bäumen zu entnehmen und den Laubbaumbestand nicht zu verändern.

 

Karl Offner                                                                                                                   

23. 12. 2020

 

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