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Distelfalter

Der Distelfalter (Vanessa cardui) ist, wie z.B. der verwandte Admiral, ein Wanderfalter und gilt als ungefährdet.

Lebensraum: keine Bindung an einen bestimmten Lebensraumtyp (Ubiquist), bevorzugt in offenem, trockenem Gelände, wie etwa auf Trockenrasen, aber auch auf feuchten Wiesen, bei der Alpenüberquerung auf alpinen Rasen und alpinen Schutthalden und Felsfluren.

Alle erfassten Lebensräume.

Höhenverbreitung (Bayern): hauptsächlich von der Ebene bis ca. 1000 m, vereinzelt bis ca. 2500 m (häufig wohl durchziehende Falter).
Raupenfutterpflanzen: sehr viele verschiedene Pflanzen (polyphag), gerne 'Disteln' z.B. Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare)Kohldistel (Cirsium oleraceum), Große Brennnessel (Urtica dioica)Mochus-Malve (Malva moschata), Stachelbeere (Ribes uva-crispa) u.a. [Bellmann 2003].
Flugzeit: (hierzulande) meist zwei Generationen, Flugzeit Sommer bis Herbst.

Flügelspannweite: 45 - 60 mm.

 

Zur Wanderung der Distelfalter

 

Seit kurzem weiß man, dass der Distelfalter den Winter im tropischen Afrika verbringt. Im Tschad, in Benin und in Niger wurden große Schwärme entdeckt, bis zu 20.000 Exemplare pro Hektar1. Diese Plätze werden Ende des Winters verlassen. In einer ersten Welle werden Nordafrika und der Mittelmeerraum besiedelt. Die darauffolgende Generation, die dort aufwächst, übernimmt dann die Etappe über Deutschland bis nach Schweden1. Die Wanderung nach Nord-Europa geschieht auf unterschiedlichen Wegen. Nördlichstes Ziel ist Skandinavien (siehe Karte). Bei uns erfolgt der Einflug jedes Jahr über die Alpen oder die Burgundische Pforte. Auch wenn das eigentliche Ziel noch weiter nördlich liegt, bleiben „unterwegs“ genügend Distelfalter zurück, so dass wir sie auch bei uns bewundern können. Im Herbst fliegen die Distelfalter in einer Generation bis südlich der Sahara zurück1.

 

Zur Anzahl der benötigten Generationen für die Wanderungen gibt es unterschiedliche Angaben. Ein internationales Forscherteam nennt im Fachmagazin „Ecography“ bis zu 4 Generationen für den Hinflug und zwei für den Rückflug. Da die Entwicklung vom Ei zum Falter etwa einen Monat dauert und ein Falter eine Lebensdauer von 25 – 60 Tagen hat (Settele, et al., 1999), wäre, zusammen mit der Flugzeit, das Jahr gut gefüllt. Aber, wie auch immer, es ist eine staunenswerte Leistung.

 

Man könnte die Zugrichtung gedanklich auch umkehren und, wie bei den Vögeln, vom Zug vom Sommerquartier zum Winterquartier (in Afrika) reden. Vom südlichen Europa aus reisen sie zu ihrem Winterquartier noch  ca. 4.000 Kilometer weiter und überwinden dabei Hindernisse wie das Mittelmeer, die Berge Nordafrikas und die Sahara.

 

Wanderung der Distelfalter von Nordafrika nach Europa
© Sémhur / Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

 

Die Distelfalter fliegen teilweise ziemlich hoch (1000 m und höher) um günstige Winde zu nutzen. Auch sind sie oft in großen Mengen unterwegs. So wurde 2012 mittels Radar festgestellt, dass rund elf Millionen Distelfalter im Frühjahr den Ärmelkanal Richtung Norden überflogen. Im Herbst machten sich sogar 26 Millionen Distelfalter auf die lange Rückreise nach Afrika. Vanessa cardui legt insgesamt (Hin- und Rückreise) eine Strecke von ca. 15.000 Km zurück! Das ist mehr als doppelt so viel, wie der ebenfalls weit wandernde nordamerikanische Monarchfalter zurücklegt. Dass die Distelfalter so große Stückzahlen erreichen können, liegt auch daran, dass die Raupen bei ihrer Nahrung nicht besonders wählerisch sind.

 

Auslöser oder Grund für die Wanderungen sind die günstigeren Lebensbedingungen an den jeweiligen Zielorten. Während in Afrika die zunehmende Hitze das Pflanzenwachstum zum Erliegen bringt und Parasiten überhand nehmen, ist weiter nördlich im Sommer ein Überfluss an geeigneten Nahrungs- und Raupenfutterpflanzen zu finden. Andererseits können die Falter aber die kalten Winter hier nicht überleben, so dass die letzte Generation rechtzeitig zurückfliegen muss. Dass sie das auch in großer Zahl tut, ist mittlerweile erwiesen. Dieser, wie strategisch geplant anmutende Ablauf, ist äußerst erstaunlich und in seinen Details noch lange nicht vollständig erforscht. Was genau löst die Aktivitäten jeweils aus? Was bewirkt, dass die nächste Generation zunächst weiterzieht, aber irgendwann „angekommen“ ist. Was genau löst den Rückflug aus? Dass es kälter wird? Dass die Tage kürzer werden? Der Rückflug muss rechtzeitig, d. h. früh genug erfolgen, um z.B. nicht vom Winter in den Bergen überrascht zu werden, was tödlich für die Falter wäre. Woher weiß die nächste Generation überhaupt was zu tun ist? Weiterfliegen oder bleiben oder zurückfliegen? Dazu kommt natürlich noch das Phänomen der zielgerichteten Orientierung bzw. Navigation. Mögliche Methoden  sind: eine Orientierung an Landmarken, an der Sonne oder, bei bedecktem Himmel, über polarisiertes UV-Licht. Möglich wäre auch eine Orientierung am Magnetfeld der Erde. Genaueres ist noch nicht erforscht. Fakt ist, dass es funktioniert. Der Zug an sich, auf durchaus verschiedenen Wegen, ist wohl genetisch festgelegt. Jedenfalls ist das beschriebene Verhalten äußerst positiv in Bezug auf Arealerweiterung und Populationsgröße. Der Distelfalter wandert nicht nur in Nordafrika und Europa, sondern auch in vielen anderen Teilen der Welt. Siehe auch: 'Wanderfalter in Europa'

 

1) Dr. Roger Vila, Gerard Talavera, National Geographic

 

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